"Die ältesten Schächte sind bis zu 400 Jahre alt", erklärt und unser Guide José. "Jährlich sterben rund 40 Bergarbeiter durch herabfallende Felsbrocken oder sie stürzen in einen der nicht abgesicherten Tunnel und verletzen sich lebensgefährlich." Arbeitsschutz oder Gewerkschaftsunterstützung sind für die rund 11.000 "mineros" nur leere Worte.
Auch trägt kaum ein Kumpel einen Mundschutz oder entsprechende Schutzkleidung und so sind die Männer, die meist schon mit 13 Jahren ihren lebenslangen Dienst im Stollen antreten, den Gefahren der Mine schutzlos ausgeliefert. Ihr grösster Feind ist das fast unsichtbare Siliziumpulver, das sich bei jeder noch so kleinen Erschütterung in der Luft verteilt und zu Lungenkrebs und einem frühen und qualvollen Tod führt.
José spricht auch ganz offen über die Versäumnisse der Regierung. "Bisher hat sich an den Arbeitsbedingungen der Bergmänner wenig geändert. Der Präsident hat sie vergessen."
Noch ein paar Schritte, Licht, man verlässt den Stollen. Die Luft ist kühl, es riecht nach Staub und Dynamit. Für heute können wir durchatmen, doch für die Männer in der Mine geht die Schicht weiter.
"Der Cerro Rico ist mein Leben. Schon mein Vater und Grossvater haben hier gearbeitet und ich kann mir keinen anderen Job für mich vorstellen", erzählt Matias (21) und nimmt einen kräftigen Schluck aus einer Flasche mit der Aufschrift "96% Alkohol".
"Und wie die meisten von uns habe ich keine andere Wahl."