So lautet die
deutsche Uebersetzung von Talita Kumi, einer Einrichtung fuer Maedchen und junge Muetter in Quito, die von den Strasse Ecuadors oder aus anderen Risikosituationen kommen.

Fuer diese Zielgruppe gibt es auch heute noch kaum Hilfsangebote oder Anlaufstellen und so haben besonders Maedchen in den laendlichen Provinzen Ecuadors meist keine Chance aus der Spirale von Gewalt, Missbrauch und Armut auszubrechen.
Seit 1987 existiert in Quito deshalb die Einrichtung Caminos de Esperanza Talita Kumi, in der Maedchen und junge Muetter im Alter zwischen 12 bis ca. 19 Jahren Schutz, Beratung und persoenliche Annahme finden. Sie koennen dort Unterkunft, Verpflegung sowie medizinische, juristische und psychologische Hilfen und spaeter auch eine berufliche Qualifizierung erhalten.
Ehrlich: Ich wusste nicht so recht was mich erwartet, als ich am 30. September in Quito gelandet bin, um die Einrichtung
fuer sechs Wochen bei der Presse- und Oeffentlichkeitsarbeit zu unterstuetzen.
Doch sofort haben mich die beiden Heimleiter Diego und Alexandra sehr herzlich aufgenommen und mittlerweile fuehle ich mich fast schon wie in einer grossen Familie :) Obwohl es oft nicht leicht ist
17 halbwuechsigen “Schwestern” und sechs Kleinkindern gerecht zu werden mit denen man fast 24 Stunden am Tag zusammenlebt…

Neben meiner eigentlichen
Pressearbeit (die in Ecuador sehr langsam vorangeht, was mich jedes Mal fast wahnsinnig macht :)) helfe ich den Maedels bei ihren
Hausaufgaben,
beschaeftige ihre Kinder (mein persoenliches AHA-Erlebnis: Kleine Kinder fangen nicht zwangslaeufig an zu heulen, wenn sie mich sehen! :)), nehme an den
Kursen teil (wenn ihr in der Adventszeit zufaellig Weihnachtskarten von Talita Kumi seht… die koennten von mir sein :)), unterstuetze die Psychologin bei der
Einzel- und Gruppentherapie (ich hab ja irgendwann auch mal Psychologie studiert, lang lang ists her…) und versuche mit den Maedels so normal wie moeglich umzugehen, was angesichts ihrer Vorgeschichten oft richtig schwer ist…
Die meisten von ihnen kommen aus zerruetteten Familien und haben oft fast 10 Halb- und Stiefgeschwister. Ein normales Familien- und Alltagsleben haben sie nie kennengelernt und Dinge, die fuer uns selbstverstaendlich sind (wie z.B. dass man seine Sachen in Ordnung haelt usw.) muss man ihnen immer und immer wieder sagen. Die jungen Muetter (die meisten haben ihre Kinder mit ca. 14 bekommen und was wirklich krass ist: oft vom Vater/Bruder/Onkel…) wissen kaum wie sie mit ihren Kindern umgehen sollen, weil sie im Umgang mit ihren Muettern so etwas selbst nie erfahren haben.
Doch trotz allem haben sie das Lachen nicht verlernt und dafuer bewundere ich sie wirklich. Egal, welche Probleme die Maedels auch mit sich rumschleppen – sie sind immer freundlich, hilfsbereit und fuer jeden Spass zu haben (und haben vor allem extrem Geduld mit meinem Spanisch :)).
Fuer mich ist die Zeit in Quito eine Erfahrung, die ich nicht vergessen werde. Und ich hoffe, dass ich durch meine Arbeit hier ein bisschen dazu beitragen kann, dass die Einrichtung in Ecuador und Deutschland langfristig bekannter wird, denn der Bedarf ist da!
Hasta pronto de lindo Ecuador!Und hier noch ein Text, den ich im November 2009, kurz vor meiner Abreise, für die Internetseite der Talita Kumi (www.talitakumiev.de) geschrieben habe:
Die Tage in der Talita Kumi II in Tumbaco, Ecuador, beginnen früh. Die kleine Michaela hat Hunger. Man hört das Trippeln vieler Füße auf den Licht durchfluteten Fluren des Hauses. Das Lachen der Mädchen und die Stimmen der Heimeltern Diego und Alexandra vermischen sich zu einer fröhlichen spanischen Melodie und die aufgeweckte Leisi Fernanda (3) begleitet ihre Mutter Liced (18) in die Gemeinschaftsküche des Hauses, wo diese gemeinsam mit zwei weiteren Mädchen das Frühstück für die gesamte Gruppe vorbereitet.
Als ich im September 2009 zum ersten Mal die große Talita-Familie kennengelernt habe, wurde ich sofort herzlich und mit offenen Armen empfangen. Obwohl die meisten Mädchen in ihrem Leben bereits Schreckliches erlebt haben, gehen sie gleich freundlich und unbefangen auf mich zu und akzeptieren mich als eine Art „große Schwester“, was mich wirklich tief beeindruckt hat.
Bis Ende November 2009 habe ich mich dann in erster Linie um die Öffentlichkeitsarbeit der Talita in Ecuador gekümmert und dabei auch die Produktion eines Films unterstützt, der auf spanisch und deutsch über die Arbeit der Talita informiert. Noch in diesem Jahr soll es auch eine spanischsprachige Webseite geben. Die Vorbereitung von Interviews und Artikeln für die lokalen Medien sowie der Kontakt zu einheimischen Journalisten standen dabei ebenso auf der Tagesordnung wie die Suche nach geeigneten Sponsoren vor Ort.
Diese Aufgaben waren eine große Herausforderung für mich, da sich die Arbeitsweise in Ecuador doch sehr von der in Deutschland unterscheidet und man Dinge grundsätzlich auf mañana (morgen) verschiebt. Zusätzlich wurde unsere Arbeit in dieser Zeit noch durch anhaltende Stromausfälle erschwert, die oft alle Pläne über den Haufen geworfen haben.
Am meisten konnte ich jedoch von den Mädchen lernen. Wie sie aufblühen können, wenn man sie lässt und welche Fähigkeiten sie entwickeln können, wenn sie entsprechend gefördert werden.
Die 16-jährige Deirica Sujeidy bringt es auf einen Punkt: „Ohne die Talita hätte ich keine Chance gehabt. Hier habe ich Freunde gefunden und Menschen, die mich unterstützen und an mich glauben.“ Die Mädchen können zur Schule gehen, haben ein sicheres Zuhause und eine neue Perspektive. Es ist einfach schön, sie lachen zu sehen oder an ihren Wünschen und Träumen teilhaben zu können. Diese Erfahrung hat mir gezeigt, dass die Talita in Ecuador wirklich gebraucht wird.
Weil ich nach meiner Zeit in der Talita nun auch – wie wahrscheinlich viele andere – mit dem „Talita-Virus“ infiziert bin, wird das bestimmt nicht mein letzter Besuch in Tumbaco gewesen sein. Ich hoffe sehr, dass das Projekt auch in Zukunft noch vielen Mädchen einen neuen Lebensweg ermöglicht und dass das unbeschwerte Lachen in der Talita noch lange zu hören ist!