Das musste ich mir im Vorfeld einige Male anhoeren. Klar, das Land hat nicht das beste Image und bestimmt auch so seine kleineren und groesseren Probleme, aber trotzdem ist es auf jeden Fall mindestens eine Reise wert!
Nachdem wir Mitte September am noerdlichsten Grenzuebergang zwischen Venezuela und Kolumbien (von der suedlichen Grenze wird aus Sicherheitsgruenden oft abgeraten) das teilweise ausgestorbene Niemandsland passiert hatten, war unser erstes kolumbianisches Ziel
das Kuestenstaedtchen Santa Marta, das gleichzeitig als Ausgangspunkt fuer die
Tour zur „verlorenen Stadt“ der Tayrona-Indianer, der Ciudad Perdida, dient.

In sechs Tagen durchquert man dabei 18mal mehr oder weniger reissende Fluesse (mit seinem gesamten Gepaeck), kaempft mit den blutruenstigsten Insekten (immun gegen jedes bekannte Abwehrspray), erklimmt (oh welch schoenes Wort! :)) 1.000 Stufen, trotzt Wind und sintflutartigem Regen und steht schliesslich mitten im spirituellen Zentrum der Tayrona-Indianer, das heute von extrem gelangweilten Staatstruppen gegen etwaige Uebergriffe von Seiten der Guerillas oder Paramilitaers gesichert wird. Trotzdem kommt so ein bisschen Indiana-Jones-Feeling auf (wenn man die mit ihren Waffen protzenden Juenglinge in ihren Uniformen ausblendet :)).
Uebrigens: Als ich erfahren habe, dass die FARC normalerweise bei Ueberfaellen nur kraeftige, gesunde und spanischsprachige Geiseln auswaehlt war ich vollstaendig beruhigt, da ich zwei Kriterien definitiv ausschliessen konnte :)
Nach der Ciudad Perdida ist man (oder besser: ich) total am Ende und wuenscht sich nur ein bisschen Sonne, um nach sechs Tagen endlich die nassen Sachen trocknen zu koennen.

Deshalb: Auf ans Meer! Im
Tayrona-Nationalpark findet man alles, was man so braucht… Sonne, weisser Strand, tuerkises Meer, Abgeschiedenheit und … Vogelspinnen :) Eine davon hatte ich nach einer Nacht in der Haengematte in den Haaren (leichte Gleichgewichtsprobleme haben das arme Tier wohl nicht unter dem Palmendach gelassen, wo es eigentlich hingehoert!).
Von dort aus ging es fuer uns dann weiter nach
Cartagena, eine der bisher schoensten Staedte auf unserer Reise. Dort findet man noch richtig charmante kleine Gaesschen mit alten Kolonialhaeusern und es ist so heiss, dass man sich praktisch 24 Stunden am Tag an den Nordpol wuenscht… :) Also im positiven Sinn…

Ganz in der Naehe kann man am
Playa Blanca ein bisschen die Seele baumeln lassen und sich wie Robinson Crusoe fuehlen. Wir hatten den gesamten Strand quasi fuer uns allein und man fragt sich die ganze Zeit warum man eigentlich noch zurueckfahren sollte :)

Unsere
naechste Station Medellín im Zentrum Kolumbiens war lange als eine der gefaehrlichsten Staedte der Welt verschrien in der Drogengangs um den beruehmten Baron Pablo Escobar ihr Unwesen trieben. Heute kann man sich dort genauso sicher oder unsicher bewegen wie in jeder anderen beliebigen Grossstadt. Obwohl die Stadt Boteros (bekannt fuer seine wohlproportionierten Kunstwerke) inzwischen eine quirlige und frische Metropole ist, konnte es das schlechte Image noch nicht ganz loswerden. Das muss ich an dieser Stelle zur Verteidigung Medellíns mal vorbringen :)
Fuer mich ging es
nach einigen Tagen dann auch schon weiter nach Quito, wo ich zur Zeit in einem Hilfsprojekt fuer Maedchen und junge Muetter mitarbeite: Als Mamita, grosse Schwester und manchmal auch PR-Fachfrau :)
La próxima vez: Bienvenidos a Ecuador!
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