Wir sind (Moment, ich muss kurz in meinem Reisepass blaettern) am 20. August von Brasilien aus nach Venezuela eingereist (Ja, ich weiss… das ist schon ein bisschen her… mea culpa :)). Das erste, was man im Land selbst kennenlernt ist der florierende Schwarzmarkt, der einen fast dreimal hoeheren Wechselkurs bietet als der gewoehnliche Geldautomat.
Nach dem Motto „wenn schon illegal, dann auch richtig“ haben wir uns mit drei rauchenden grimmigen Maennern in ein Hinterstuebchen begeben und dann unter strengen Augen unser Geld auf den Tisch gezaehlt… Bloederweise haben wir uns dabei beide verrechnet und den guten Maennern zuviel gegeben, worauf sie uns aber gleich auf den Fehler aufmerksam gemacht haben. Wie schoen, dass es auch in diesem Metier ehrliche Menschen gibt! :)
Nach der Wechselaktion hatten wir noch mehr Geld bei uns (dort wird ja gleich immer mit Tausendern bezahlt) und ich konnte zum ersten Mal in meinem Leben ein kleines Geldbad nehmen :)
Von Santa Elena aus haben wir dann auch gleich unsere erste sechstaegige Tour mit dem Ziel Mount Roraima gestartet. Dieser Berg gehoert zu einer Kette von Tafelbergen, auf denen sich endemische Arten erhalten und entwickelt haben, da die Natur von aeusseren Einfluessen relativ unberuehrt ist. So findet man dort zum Beispiel schwarze Froesche, die laufen statt zu huepfen oder jede Menge einmaliger Pflanzen und Voegel.
Nachdem man sich zwei Tage durch sintflutartige Regenfaelle (meine Schuhe mueffeln immer noch), trockene Savanne und Insektenschwaerme (die sogenannten Puripuris sehen aus wie kleine schwarze Fliegen und stechen immer, ueberall und ueberallhin; ausserdem sind sie immun gegen jedes Insektenspray) geschleppt hat, erwartet einen ein steiler Aufstieg durch einen kleinen Regenwald, ueber eine Geroellhalde und unter Wasserfaellen hindurch.
Danach – voilá – der Berg! Eine schwarze Mondlandschaft in der das Wetter sich jeden Augenblick aendern kann und man nachts vor lauter Kaelte schon mal saemtliche mitgebrachte Klamotten anziehen muss. Aber trotzdem entschaedigt einen dieser Anblick fuer alle Strapazen unterwegs und wenn man nach sechs Tagen schliesslich wieder im Jeep sitzt, dann kann man eigentlich nur stolz auf sich sein und traut sich sogar fast den Ironman zu :)
Unsere zweite Tour ging im Anschluss daran zu den beruehmten Angel Falls, den hoechsten Wasserfaellen der Welt. Schon die Anfahrt bzw. der Anflug sind abenteuerlich: Man fliegt von Ciudad Bolívar aus (uebrigens eines der sympathischsten Staedtchen bisher) mit einer kleinen fuenfsitzigen Maschine ueber absolut beeindruckenden Regenwald in das Naturschutzgebiet Canaima, wo einen neben den eben erwaehnten Wasserfaellen auch weitere Tafelberge und unberuehrte Natur erwarten.
Tour Nummer drei (ihr seht, es gibt viel zu erleben :)) ging danach in die Sumpfgebiete Venezuelas, los Llanos. Man fuehlt sich dort sofort wie im frueheren Wilden Westen (bis auf die Schiessereisachen und so :)) und so habe ich einen Basiskurs im Kuehemelken absolviert und bin virtuos auf meinem immer folgsamen Ross durch die Landschaft galoppiert, will heissen der Gaul hat sich beim Schritttempo einfach immer dem Vorderpferd angepasst und meine Schreie und verzweifelten Stoppversuche ignoriert.
Auf unseren Ausfluegen mit dem Kanu/Pferd/Jeep haben wir dank unseres Naturburschenguides Tony neben Anakondas und Boas auch Delfine, Urzeitschildkroeten und Ameisenbaeren zu Gesicht bekommen und eigenhaendig Piranhas gefangen (hoert sich in dem Zusammenhang etwas komisch an :)). Leider hatten wir am Schluss noch eine kleine Auseinandersetzung, da er sich jeden Abend auf unsere Kosten gut einen hinter die Binde gekippt hat - vielleicht wollte er sich einfach nur Mut fuer den naechsten Tag antrinken :)
Wenn man nach all den Strapazen ein wenig entspannen moechte, dann ist die venezolanische Karibikkueste der sogenannte „place to be“. Weisse Traumstraende, Palmen, tuerkises Meer, Hunderte von Delfinen, Schnorchelparadies…
… wenn nur nicht die venezolanischen Touristen waeren (Auslaender trifft man dort eher selten), die am Wochenende wie Heuschrecken ueber die Straende herfallen und immer drei wichtige Kriterien erfuellen: Sie kommen im Familienverbund, sie konsumieren moeglichst frueh moeglichst viel Bier (am besten im Wasser stehend) und sie lieben es wie Sardinen nebeneinander zu liegen. Dort entwickelt man als europaeischer Tourist schnell den beruehmten Scheuklappenblick, der alle oeligen und bierbaeuchigen Subjekte einfach ausblendet :)
Das unbekannte Venezuela hat mich auf jeden Fall sofort begeistert. Wenn man das Naturabenteuer sucht und nicht das Gefuehl haben will, dass halb Europa auch schon da ist oder war, dann sollte man sich schnellstens in ein Flugzeug nach Caracas setzen (die Stadt ist uebrigens besser als ihr Ruf!) und eine Tasche voll Euros fuer die netten Schwarzmarkthaendler bereithalten.
Dranbleiben lohnt sich (das Fernsehen hat mich offensichtlich nachhaltig gepraegt! :)), denn das naechste Mal geht’s ab ins wilde Kolumbien!
Hasta pronto!
wow, da habt ihr aber einiges erlebt. ist wirklich eine super zeit für euch und erlebt soviel wie andere leute in ihrem ganzen leben nicht. bin jetzt schon gespannt wie ein flitzebogen auf eure bilder.
AntwortenLöschenlasst es euch gutgehen genießt die zeit, die ihr habt.
wie läuft es eigentlich in dem frauenhaus? bist du da jetzt schon?
mfg
sebastian -der jetzt hesse ist-
Hey Kathirn,
AntwortenLöschenhab gerade zufällig bei studivz den link zu deinem Blog entdeckt! voll schön, dass ihr solange zeit habt und euch fast ganz Südamerika anschauen könnt. Da hat sich der Spanischkurs beim Ebert doch noch richtig gelohnt:) war auch voll begeistert von venezuela (hatte aber leider nur 2 wochen urlaub)
wünsch euch noch ne schöne Zeit,
Magdalena